Diätassistenz: Ein Beruf mit Nachwuchsproblemen

Den Diätassistenten geht es wie vielen anderen Gesundheitsberufen: Der Bedarf an ihren Leistungen wächst, doch der Nachwuchs fehlt. Das ist aber längst nicht der einzige Punkt, der die Diätassistenten berufspolitisch beschäftigt. Ihnen fehlt zum Beispiel ein Tätigkeitsvorbehalt für die Ernährungsberatung, die derzeit noch jeder anbieten kann. Sie haben aber auch einen Erfolg zu vermelden: Ärzte können ihre Ernährungstherapie ab 2018 als Heilmittel verordnen.

Der demografische Wandel führt dazu, dass immer mehr Menschen krankheitsbedingt im Alter auf Unterstützung angewiesen sind. Besonders stark wirken sich diese Veränderungen auf den Pflegesektor aus. Auch andere Berufsgruppen sind zunehmend in die Betreuung älterer Menschen eingebunden – einschließlich der Diätassistenten. Denn mit dem Älterwerden nimmt nicht nur die Zahl der chronischen und geriatrischen Erkrankungen zu, auch die Art und Weise, wie wir uns ernähren, verändert sich: Der Energiebedarf nimmt bei gleichbleibendem Nährstoffbedarf ab, das Durstempfinden verringert sich, die Verdauung wird träge und auch die Kauleistung lässt oft nach.

 

Ein Beruf mit Nachwuchsproblemen

„Wir stellen fest, dass schon jetzt die Nachfrage nach Diätassistenten in Rehabilitationskliniken und in der stationären Altenhilfe steigt“, sagt Evelyn Beyer-Reiners, Geschäftsführerin des Verbands für Diätassistenten (VDD). Sie sieht das als Chance, aber auch als Problem – denn der Branche fehlt der Nachwuchs. Die Experten aus dem Branchenmonitoring des Bundeslandes Rheinland-Pfalz prognostizieren etwa, dass bis zum Jahr 2025 viele Diätassistenten altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die Zahl der Berufsanfänger werde wohl nicht ausreichen, um den altersbedingten Ersatzbedarf zu kompensieren. „Um sie zu erhöhen, müssen bessere Ausbildungsbedingungen geschaffen werden“, so Beyer-Reiners. „Aufgrund des Schulgelds und der fehlenden Vergütung ist die Ausbildung für viele einfach nicht attraktiv.“

Einen Lösungsweg sieht der VDD darin, die Kooperation mit Hochschulen weiter auszubauen. „Wir merken, dass die Nachfrage nach dualen Studiengängen im Bereich Diätetik besonders unter Abiturienten in den letzten Jahren zugenommen hat“, sagt Beyer-Reiners. „Unser Ziel ist es, die Ausbildung inklusive der Vergütung zu reformieren.“

 

Meilenstein: Ernährungstherapie wird Teil der Heilmittelrichtlinie

Die Diätassistenten sind im Vergleich zu Hebammen oder Physiotherapeuten eine recht kleine Berufsgruppe. Dementsprechend zählt natürlich auch der VDD mit rund 4.000 Mitgliedern zu den kleineren Interessenverbänden unter den Gesundheitsberufen. „Wenn es darum geht, politisch etwas zu bewegen, erschwert diese Tatsache häufig unsere Arbeit“, sagt Beyer-Reimers. „Es ist oft ein langer und steiniger Weg, beispielsweise Gesetzesänderungen durchzubringen. Doch Hartnäckigkeit macht sich bezahlt, wie wir am Beispiel der Heilmittelrichtlinie sehen.“

Mehr als 17 Jahre hat sich der VDD dafür eingesetzt, dass die Ernährungstherapie als Heilmittel anerkannt wird. Heilmittel sind bestimmte Behandlungen, die Ärzte verordnen können. Das bekannteste Beispiel ist wohl die Krankengymnastik. Physiotherapeuten führen sie durch und rechnen ihre Leistung dann mit der Krankenkasse des Patienten oder direkt mit Privatpatienten ab.

Ab dem 1.1.2018 können Ärzte nun auch eine ambulante Ernährungstherapie für Patienten mit einer seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankung oder Mukoviszidose als Heilmittel verordnen. „Endlich können Patienten die entsprechende Ernährungstherapie zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen“, sagt Frau Beyer-Reiners. „Der nächste Schritt für uns ist nun, dass wir eine höhere Bezahlung erreichen. Sie sollte an die Komplexität der ernährungstherapeutischen Beratung angepasst werden.“

 

Ein Tätigkeitsvorbehalt muss her

Der sogenannte Tätigkeitsvorbehalt ist ein weiteres Thema, für den sich der VDD schon seit Jahren einsetzt. Diätassistenten gehören dem einzigen gesetzlich geschützten Heilberuf an, dessen gesetzliches Ausbildungsziel die Durchführung von diättherapeutischen und ernährungsmedizinischen Maßnahmen und somit auch von Ernährungsberatung ist. Doch diese Tätigkeiten sind ihnen nicht vorbehalten, der Begriff Ernährungsberater, ebenso wie Ernährungsberatung, ist nicht geschützt ist: Jeder darf andere beraten – auch ohne staatliche Ausbildung. „Viele Menschen, die ernährungsmedizinischen Rat suchen, wissen das schlichtweg nicht“, sagt Frau Beyer-Reiners. „Sie vertrauten darauf, dass eine professionell ausgebildete Fachkraft die Ernährungsberatung durchführt.“

Alle Forderungen nach einem Tätigkeitsvorbehalt blieben bisher ohne Erfolg. Der Bundestag begründet dies damit, dass er mit dem Diätassistentengesetz einen staatlich geregelten Beruf geschaffen habe. Er sehe nicht die Möglichkeit, über den Beruf des Diätassistenten hinaus einen weiteren Berufstitel in diesem Bereich zu schützen. „Das Image des Berufs leidet enorm darunter“, so die Geschäftsführerin des VDD. „Welchen wichtigen Teil Diätassistenten zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung beitragen, geht dadurch total unter – leider.“

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