Berufsporträt Diätassistent/Diätassistentin

von Kea Antes

Anderen Menschen beim Abnehmen helfen – es ist nicht abwegig, dass viele Menschen das als erstes mit dem Beruf Diätassistent/Diätassistentin in Verbindung bringen. Aber das ist nur eine Facette der Tätigkeit und wird dem sehr vielseitigen Berufsbild allein nicht gerecht. Diätassistenten sind die Spezialisten für die Ernährungstherapie, der Fokus dabei liegt aber nicht auf Lifestyle-Beratungen, sondern umfasst ernährungstherapeutische Maßnahmen bei allen ernährungsbedingten bzw. ernährungsabhängigen Krankheiten, ebenso aber auch Aufgabenbereiche in der Prävention und Gesundheitsförderung.

Wir haben uns diesen Gesundheitsberuf, der durch ein Berufsgesetz und eine staatliche Prüfung geregelt ist, einmal genauer angeschaut. 

 

Was machen Diätassistenten?

Das Aufgabengebiet von Diätassistenten ist sehr breit gefächert. Der Schwerpunkt liegt aber ganz klar auf der Ernährungstherapie und Ernährungsberatung in Kliniken, im ambulanten Bereich und Seniorenheimen. Diätassistenten erfassen die Ernährungssituation bzw. den Ernährungszustand und können dann erkennen, ob die Ernährung für die betreffende Person angepasst werden muss. Einige Beispiele:

  • Kommt es dazu, dass wegen einer Erkrankung oder einer Unverträglichkeit bestimmte Lebensmittel gemieden werden müssen, gilt es Alternativen zu finden, damit die Person trotzdem ausreichend und schmackhaft essen kann.
  • Es besteht oder droht eine Fehl- oder Mangelernährung oder die betroffene Person (bzw. ihre Angehörigen) weiß nicht, wie eine angepasste Ernährung im häuslichen Alltag umgesetzt werden kann.

Dann geben Diätassistenten in der Ernährungsberatung entsprechende Informationen und praktische Hilfestellung. Nicht immer sind die Betroffenen schon bereit für eine Ernährungsumstellung, dann muss auch viel Motivationsarbeit geleistet werden.

Wenn die normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht oder nicht möglich ist, müssen schwer Erkrankte über eine Sonde Trinknahrung erhalten oder sogar parenteral ernährt werden. Das sind Aufgaben für ein Ernährungsteam, in dem idealerweise auch Diätassistenten mitarbeiten.

Auch im Verpflegungsmanagement sind Diätassistenten tätig, beispielsweise in Großküchen von Kliniken und Reha-Einrichtungen. Dort sind sie für verschiedenste administrative und organisatorische Aufgaben zuständig. Häufig obliegt ihnen die Qualitätskontrolle der Speisen, sie leiten das Personal an, kalkulieren Kosten und sind mitverantwortlich für die Einhaltung der Hygienerichtlinien.

Weitere Arbeitsfelder sind die Prävention und die Gesundheitsförderung, beispielsweise bei Krankenkassen oder im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Auch in der Industrie gibt es Arbeitsplätze, zum Beispiel im Außendienst oder in der Rezeptentwicklung bei Herstellern für diätetische Lebensmittel.

Der Anteil in der Forschung arbeitender Diätassistenten ist noch gering, wächst aber ständig. Es wird immer wichtiger sich an Studien zu beteiligen, die die Wirksamkeit bestimmter Ernährungsmaßnahmen belegen.

 

Wie viele Diätassistenten gibt es in Deutschland?

Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes aus dem Jahr 2009 sind 14.000 Diätassistenten in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Es gibt aber auch Diätassistenten, die selbstständig tätig sind, vor allem im Bereich der ambulanten Ernährungsberatung.

 

Wie viel verdienen sie?

Der Verdienst von Diätassistenten hängt von den Qualifikationen und vom Schwierigkeitsgrad der Aufgaben ab. Bei angestellten Diätassistenten orientiert sich der Verdienst häufig an den Entgeltgruppen 7 bis 9 des öffentlichen Dienstes (TVÖD) und liegt zwischen 2.600 Euro und 3.500 Euro brutto im Monat. In Leitungspositionen oder als Lehrkraft ist eine Einstufung oberhalb der Stufe 10 möglich. Verdienste in der freien Wirtschaft können sowohl nach oben als auch nach unten abweichen.

Die Honorarempfehlungen für die Freiberuflichkeit beginnen etwa ab 70,00 € pro Stunde und steigern sich je nach Komplexität der Leistung.

 

Die Ausbildung

 

Wie werde ich Diätassistent oder Diätassistentin?

Die Ausbildung erfolgt an staatlich anerkannten Schulen und dauert drei Jahre. Sie gliedert sich in theoretischen und praktischen Unterricht sowie praktische Ausbildung – in Diätetik, in der Diät- und Ernährungsberatung und in der Großküchenorganisation. Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung. Daraus ergibt sich die Berechtigung, die geschützte Berufsbezeichnung zu führen.

Die Lehrinhalte sind in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung festgelegt und somit bundesweit für jede Schule verbindlich. Voraussetzung für die Ausbildung ist ein mittlerer Bildungsabschluss oder eine gleichwertige Schulausbildung. Ca. 70 % der Bewerber/innen verfügen jedoch über ein Abitur. 

 

Wer zahlt die Ausbildung?

Das kommt auf den Schulträger beziehungsweise auf länderspezifische Regelungen an. In den meisten Bundesländern ist die Ausbildung an Schulen, die mit einem Krankenhaus verbunden sind, nicht kostenpflichtig. Schulen in freier Trägerschaft erheben für die Ausbildung üblicherweise ein Schulgeld. Durchschnittlich sind dann rund 12.000 Euro aus eigener Tasche zu zahlen. Wie bei allen therapeutischen Gesundheitsberufen gibt es keine Ausbildungsvergütung und keine Lehrmittelfreiheit. So kommen noch Kosten für Lehr- und Lernmittel, zum Teil auch für Arbeitsbekleidung und Arbeitsschuhe sowie Fahrtkosten hinzu. Möglich ist eine finanzielle Unterstützung durch das sogenannte „Schüler-BAföG“ nach Berufsausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Dieses ist nicht rückzahlungspflichtig, wird aber nur bei bestimmten Voraussetzungen gewährt.

Diese Rahmenbedingungen erschweren die Nachwuchsgewinnung. Den Schulabgängern stehen derzeit sehr viele Ausbildungsmöglichkeiten offen. Die hohen Kosten schrecken viele ab oder sind aufgrund der familiären Bedingungen, zum Beispiel für Kinder von Alleinerziehenden oft nicht aufzubringen.

 

Kann ich auch ein Studium in dem Bereich absolvieren?

Derzeit bestehen deutschlandweit zwei Möglichkeiten. An der Hochschule Fulda gibt es einen dualen Studiengang, der die Ausbildung an einer kooperierenden Berufsfachschule mit einem Studium an der Hochschule kombiniert. Dieser Ausbildungsweg dauert insgesamt neun Semester. An der Hochschule Neubrandenburg können Absolventen der Berufsfachschulen mit dem Berufsabschluss Diätassistent/in den auf zwei Jahre verkürzten Bachelor-Studiengang „Diätetik“ belegen. Nach erfolgreichem Abschluss verfügen die Studierenden, egal welchen Weg sie wählen, sowohl über einen staatlich anerkannten Berufsabschluss als Diätassistent bzw. Diätassistentin als auch über den Bachelor of Science in Diätetik.

 

Wer vertritt die Interessen der Diätassistenten? 

Der Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. (VDD) vertritt seit 1957 als einzige berufsständige Organisation die beruflichen, berufspolitischen und sozialen Interessen der Diätassistenten – sowohl national auch international. Rund 4.000 Diätassistenten sind im VDD organisiert.

Der Verband setzt sich nach eigenen Angaben unter anderem dafür ein, das professionelle Handeln von Diätassistenten zu fördern und weiter zu entwickeln, um die gesundheitliche und diätetische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern.

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