Hebamme / Enbindungshelfer

Hebammen in Deutschland

Hebammen Alle für Gesundheit

Schlagzeilen über Schließungen von Kreißsälen oder hohe Haftpflichtprämien haben in den letzten Monaten und Jahren die Situation der Hebammen in Deutschland immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wie viele angestellte und freiberuflich tätige Hebammen aber arbeiten in der Bundesrepublik? Wie sieht ihre Ausbildung aus und welche Verdienstmöglichkeiten haben sie?

Derzeit gibt es laut Statistischem Bundesamt (Destatis) rund 23.000 Hebammen und Entbindungspfleger in Deutschland. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands waren im Jahr 2015 knapp 18.000 freiberufliche Hebammen aktiv, davon etwa 5.100 auch in der Geburtshilfe. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) spricht dagegen aktuell von nur rund 2.400 freiberuflichen Hebammen, die Geburtshilfe leisten.

2014 leisteten nach Angaben von Destatis knapp 10.800 Hebammen und Entbindungspfleger Geburtshilfe in deutschen Krankenhäusern. Davon waren rund 8.900 festangestellte Kräfte sowie 1.900 Belegkräfte.

Anzahl freiberuflich tätiger Hebammen

Quelle: Vertragspartnerliste Hebammen; Stand jeweils im Oktober; Darstellung: GKV-Spitzenverband
Quelle: Vertragspartnerliste Hebammen; Stand jeweils im Oktober; Darstellung: GKV-Spitzenverband

Deutscher Hebammenverband als größte Interessenvertretung
Der Deutsche Hebammenverband ist der Dachverband der 16 Hebammenverbände der Bundesländer. Mit seinen mehr als 19.000 Mitgliedern stellt er die größte Interessenvertretung der Hebammen in Deutschland dar. Die Mitglieder der Landesverbände sind sowohl angestellt als auch freiberuflich tätige Hebammen, Familienhebammen, Wissenschaftlerinnen, Lehrerinnen für das Hebammenwesen, Hebammenschülerinnen und Studierende sowie hebammengeleitete Einrichtungen. Der DHV ist der einzige Hebammen-Berufsverband in Deutschland, der auch angestellte Hebammen vertritt.

Gesetzliche Grundlagen
Gesetzliche Grundlagen des Hebammenberufs sind das Hebammengesetz (HebG), die Mutterschaftsrichtlinien und die jeweiligen Berufsordnungen der Länder. Das aktuelle HebG stammt aus dem Jahr 1985 und wurde das letzte Mal 2010 geändert. Laut Paragraf 4 des Gesetzes kann eine Hebamme eine normal verlaufende Geburt alleine leiten. Ein Arzt dagegen darf eine Frau nur in Notfällen ohne eine Hebamme entbinden. Diese Hinzuziehungspflicht gibt es nur in Deutschland. Sie gilt übrigens auch bei einem Kaiserschnitt.

Hebammenausbildung
Das Hebammengesetz verrät, welches Ziel die Ausbildung verfolgt. Sie soll Hebammen insbesondere dazu befähigen, „Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Wochenbett Rat zu erteilen und die notwendige Fürsorge zu gewähren, normale Geburten zu leiten, Komplikationen des Geburtsverlaufs frühzeitig zu erkennen, Neugeborene zu versorgen, den Wochenbettverlauf zu überwachen und eine Dokumentation über den Geburtsverlauf anzufertigen“ (aus Paragraf 5 HebG).

Ausbildungsverlauf
Die Ausbildung zur Hebamme/zum Entbindungspfleger dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung drei Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht (mindestens 1.600 Stunden) sowie einer praktischen Ausbildung (mindestens 3.000 Stunden). Sie schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht. Der Unterricht findet an staatlich anerkannten Hebammenschulen statt – derzeit gibt es knapp 60 dieser Hebammenfachschulen in Deutschland. Die Fachschulen sind an Krankenhäuser angegliedert, in denen der praktische Teil der Ausbildung absolviert wird. Die zukünftigen Hebammen erhalten dabei eine Ausbildungsvergütung, also ein kleines Gehalt.

Ausbildung an einer Hochschule
Seit Oktober 2009 können angehende Hebammen den Beruf auch an einer Hochschule erlernen – allerdings nur im Rahmen eines zeitlich begrenzten Modellprojektes. Die Studienmöglichkeiten für Hebammen haben sich laut DHV seit 2008, als in Osnabrück der erste Bachelorstudiengang in Midwifery (Englisch für Geburtshilfe/Hebammendienst) startete, erheblich erweitert. Inzwischen gibt es drei primärqualifizierende Modellstudiengänge in Bochum, Fulda und Berlin. Seit September 2009 bietet außerdem die Medizinische Hochschule Hannover einen Master-Studiengang in Midwifery an.

Hebammenvergütung
Freiberufliche Hebammen können ihre Umsätze nicht ganz so frei erwirtschaften wie manche anderen Freiberufler, Architekten etwa. Denn sie sind fest in das System der gesetzlichen Krankenversicherung eingebunden. Die Krankenkassen vergüten die Leistungen der Hebamme für ihre Versicherten. Bis 2007 hat die Vergütungssätze dafür das Bundesgesundheitsministerium festgelegt – welches in 20 Jahren lediglich drei Erhöhungen gewährte. Heute sind die Hebammen selbst dafür verantwortlich, die Gebühren für ihre Leistungen mit den Krankenkassen zu verhandeln. Im Jahr 2016 erhielten sie für eine Geburt in der Klinik laut DHV 271,94 Euro – das entspricht bei elf Stunden Betreuung einem Stundenlohn von 24,72 Euro.

Haftpflichtversicherung
Hebammen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Berufstätigkeit durch eine Berufshaftpflichtversicherung abzusichern. Die Prämien dafür sind in den letzten Jahren dramatisch gestiegen und bringen viele Hebammen in Existenznot. Lag die Prämie 1981 noch bei rund 30 Euro im Jahr, stieg sie in den folgenden Jahren stetig an, lag 2003 zum Beispiel bei durchschnittlich 1.353 Euro und 2012 bei 4.242 Euro. Im Juli 2016 erhöhte sich die Haftpflichtprämie nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) um neun Prozent auf jährlich 6.843 Euro für freiberufliche Geburtshelferinnen, im Juli 2017 wird sie erneut um über elf Prozent auf dann 7.639 Euro steigen. Der Grund für die steigenden Preise sind die immer höher werdenden Kosten, die durch mögliche Geburtsschäden entstehen, welche die Berufshaftpflichtversicherung der Hebammen abdeckt. Das liegt dem Infoportal des DHV zufolge vor allem daran, dass Kinder, die durch einen Fehler bei der Geburt eine Behinderung davontragen, heute durch den medizinischen Fortschritt wesentlich länger leben und somit auch länger Anspruch auf Schadenersatz haben. Laut DHV deckte die Versicherung für einen Geburtsschaden im Jahr 2003 noch 2,5 Millionen Euro ab und mittlerweile bereits sechs Millionen Euro.

Kommentare