Logopäde/Logopädin

Logopädie: Details zum Beruf

Logopädie Alle für Gesundheit

von Kea Antes
am 05.02.2019

Eine typische Therapiesituation in der logopädischen Praxis: Auf dem Tisch liegen Abbildungen, die Geräusche symbolisieren – ein Zug für das „sch“ und eine Schlange für das stimmlose „s“. Die Logopädin wendet sich an das Kind: „Ich spreche dir jetzt Wörter vor und du entscheidest, welches Geräusch du am Ende des Wortes hörst. Hörst Du ein „sch“, zeigst du auf den Zug, hörst Du ein „s“, zeigst Du auf die Schlange.“ Um die Sprachentwicklung von Kindern zu fördern, können solche Übungen helfen. Diese Aufgabe übernehmen Logopädinnen und Logopäden. Doch der Bereich Sprachtherapie ist nur einer von vielen, in denen die Therapeutinnen und Therapeuten tätig sind.

Wir haben uns den Beruf einmal genauer angeschaut – ein Überblick.

Was machen Logopädinnen und Logopäden?

Logopädinnen und Logopäden beschäftigen sich im weitesten Sinne mit Funktionen und Funktionseinschränkungen in den Bereichen Stimme, Sprechen, Sprache und Schlucken und ihrem Einfluss auf Alltag und soziale Teilhabe der Patienten. Sie untersuchen Patienten eigenverantwortlich, diagnostizieren und entwickeln entsprechend des Befunds gemeinsam mit den Patienten ein Therapiekonzept. Voraussetzung für die Abrechenbarkeit dieser Leistung ist eine ärztliche Verordnung.

Logopäden behandeln Kinder ebenso wie Erwachsene. Die zu behandelnden Störungsbilder sind dementsprechend sehr vielseitig:

  • Bei Kindern sind es etwa Probleme bei der Nahrungsaufnahme, beim Erwerb der Sprache oder bei der Aussprache (wie Stottern), bei denen logopädische Therapiekonzepte helfen können.
  • Bei Jugendlichen und Erwachsenen können etwa Zungenfehlfunktionen und Stottern der Grund für den Besuch eines Logopäden sein, ebenso wie Stimmstörungen auf Grund beruflicher Stimmbelastung oder Operationen im Halsbereich. Auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Schlaganfall und daraus resultierende Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sind mögliche Therapieursachen.

Neben ihrer therapeutischen Tätigkeit geben Logopädinnen und Logopäden beispielsweise auch Stimm- und Sprechtrainings für Schauspieler, ebenso wie Weiterbildungen für Erzieherinnen und Erzieher zur kindlichen Sprachförderung im Alltag.

Individuelle Therapiekonzepte

Logopäden haben die Verantwortung, aus einer Reihe von verschiedenen Verfahren die für die Patienten geeignetsten Übungen und Trainings zu wählen. Bei der Entscheidung spielen die im Befund erhobenen Ressourcen und Symptome ebenso eine große Rolle wie die Berücksichtigung von Alter, Persönlichkeit und Interessen der Patienten.  Auch der Austausch mit Ärzten, Angehörigen, anderen Therapeuten, Erzieherinnen oder Pädagogen spielt für den Erfolg der Therapie oft eine große Rolle.

Wo sind Logopäden tätig?

Die Mehrzahl der Logopäden ist in ambulanten Praxen tätig. Aber auch in Kliniken und Krankenhäusern sowie Reha-Einrichtungen therapieren sie. Weitere Tätigkeitsfelder sind Wissenschaft und Forschung, Lehre, Fort- und Weiterbildung sowie Prävention, etwa in der Beratung von bestimmten Zielgruppen wie Pflegekräften und Eltern.

Wie viele Logopäden gibt es in Deutschland?

2017 wurden 22.000 Logopäden/Sprachtherapeuten, die in Praxen tätig waren, verzeichnet. In Krankenhäusern, Kliniken und Vorsorge- sowie Rehabilitationskliniken lag die Zahl 2017 bei 4.000. (Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes).

Wie viel verdienen Logopäden?

Die genaue Höhe des Verdienstes hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem davon, ob in einer öffentlichen Einrichtung oder ambulant in einer Praxis gearbeitet wird, von den Qualifikationen und der Berufserfahrung.

Viele Kliniken zahlen nach Tarif. Die Spanne geht hier im Durchschnitt von rund 2.000 bis etwa 3.000 Euro brutto monatlich. Gleichqualifizierte Logopäden, die im ambulanten Sektor tätig sind, verdienen oft bis zu 30 Prozent weniger.

Auch in der Kleinen Anfrage der Partei DIE LINKE an die Bundesregierung ist der Verdienst ein Thema. Aus der Antwort vom August 2018 (DS 19/3749) geht hervor: Zum 31. Dezember 2017 betrug der Median des Bruttolohns der Kerngruppe der sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Sprachtherapeuten 2.299 Euro.

Die Ausbildung

 

Wie werde ich Logopädin/e?

Es gibt aktuell zwei Wege, Logopädin/e zu werden.

  1. Dreijährige Ausbildung an privaten und öffentlichen staatlich anerkannten Berufsfachschulen mit theoretischem und praktischem Anteil. Voraussetzung dafür ist ein Realschulabschluss, eine andere gleichwertige Ausbildung oder eine nach Hauptschulabschluss abgeschlossene mindestens zweijährige Berufsausbildung. Einige Schulen haben weitere Zugangsvoraussetzungen, etwa ein Nachweis über eine normale Seh- und Hörfähigkeit. Die Ausbildung erfolgt anhand der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Logopäden (LogAPrO) und endet mit einer staatlichen Prüfung (schriftlich, mündlich und praktisch). 
  2. Studium an Hochschulen und Fachhochschulen. Der Studiengang Logopädie endet mit dem Abschluss Bachelor of Science. Danach besteht die Möglichkeit, einen Master zu absolvieren. Das Bachelorstudium dauert zwischen sechs und neun Semestern – je nach Art des Studiums.

Es gibt drei Varianten:

  • Duales Studium / ausbildungsintegrierend: Ausbildung und Studium in einem: Nach sechs Semestern erfolgt die staatliche Prüfung zum Logopäden, nach weiteren zwei bis vier Semestern folgt der Bachelorabschluss.
  • Berufsbegleitend / Teilzeitstudium: Wenn bereits eine logopädische Ausbildung vorhanden ist, kann das Studium berufsbegleitend erfolgen.
  • Vollzeitstudium nach Ausbildung: Auch ein Vollzeitstudium nach der Ausbildung ist möglich – in der Regel mit einer verkürzten Studiendauer.

Entsprechend der Studienvarianten unterscheiden sich die Zulassungskriterien: von der mittleren Reife bis hin zur Hochschulreife.

Auf der Webseite des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl) finden Sie eine Übersicht über alle logopädierelevanten Studiengänge.

 

Wer finanziert die Ausbildung?

Die Ausbildung wird in den meisten Fällen nicht vergütet. An privaten Schulen wird zudem ein monatliches Schulgeld von bis zu 1.000 Euro fällig. Auch einige staatliche Schulen erheben Gebühren. Unter Umständen fallen auch beim Studium an einer Hochschule Gebühren an, insbesondere wenn diese in privater Trägerschaft ist.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Auszubildende finanzielle Unterstützung in Form des „Schüler-BAföG“ nach dem Berufsausbildungsförderungsgesetz (BAföG) erhalten. Dieses muss nicht zurückgezahlt werden. Auch beim Studium gibt es Finanzierungsmöglichkeiten wie das BAföG, Studienkredite, Bildungskredite und in einigen Fällen auch Stipendien. Diese müssen in der Regel ganz oder anteilig zurückgezahlt werden.

Hinweis: Aktuell ist beim Thema Schulgebühren vieles in Bewegung: In Nordrhein-Westfalen wurde beschlossen, dass das Land die Kosten für das Schulgeld rückwirkend ab dem 1. September 2018 zu 70 Prozent zu übernimmt. In Bayern wird das Schulgeld zum 2. Schulhalbjahr 2018/2019 ganz abgeschafft. Seit dem 1. August 2018 entfällt zudem das Schulgeld in Bremen. Auch Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg haben vor, im Laufe des Jahres die Gebühren an Berufsfachschulen zu übernehmen.

Wer vertritt die Interessen der Berufsgruppe?

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl) ist der Berufs- und Fachverband der freiberuflichen und angestellten Logopädinnen und Logopäden. Er wurde 1964 gegründet und vertritt die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik und Verwaltung, Krankenkassen und anderen Akteuren im Gesundheitsbereich. Auch für die Erweiterung und Verbreitung logopädischen Wissens setzt sich der dbl ein. Er ist in 16 Landesverbänden organisiert.

Neben der Aufgabe der Interessenvertretung bietet der dbl seinen Mitgliedern weitere, umfangreiche Leistungen. Dazu gehören beispielsweise eine berufsbezogene Rechtsberatung, vergünstigte Fortbildungen sowie ein umfassendes Informationsangebot. Dieses kann über die Mitgliederwebsite, die sechs Mal jährlich erscheinende Fach- und Verbandszeitschrift Forum Logopädie, den dbl- Newsletter und – ab Februar 2019 – auch über ein neues Intranetportal abgerufen werden.

Stand: 25.01.2019
von: Kea Antes

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