medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen und -assistenten: Details zum Beruf

Alle für Gesundheit MTLA

am 18.03.2019

In einem Krankenhaus liegt ein Patient. Er hat hohes Fieber. Was er für eine Erkrankung haben könnte, ist anfangs ungewiss. Der behandelnde Arzt ordnet eine Blutentnahme an - eine Untersuchung des Bluts auf verschiedene Krankheiten. Eine Krankenpflegerin nimmt dem Patienten mehrere Ampullen Blut ab und gibt sie ins krankenhauseigene Labor. Dort sitzen mehrere Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen (MTLA), die nun damit beginnen, es auf die vom Arzt angefragten Parameter zu analysieren. Die MTLA führt die Untersuchungen selbstständig und eigenverantwortlich aus. Die Patienten bekommen von dieser hochkomplexen Arbeit hingegen gar nichts mit, sie erhalten im Anschluss nur die Ergebnisse der Analyse durch den behandelnden Arzt.

MTLA analysieren jedoch nicht nur Blut, sondern untersuchen auch andere Körperflüssigkeiten, um Krankheiten erkennen zu können und bereiten Gewebeproben oder Zellmaterialien von Patienten auf, die nach komplexen Verfahren dem Pathologen zur endgültigen Diagnosestellung vorgelegt werden. Wir zeigen, wo MTLA arbeiten, wie die Ausbildung abläuft und wie die Verdienstmöglichkeiten sind.

Was machen MTLA und wo sind sie tätig?

MTLA arbeiten vor allem in Laboratorien in Krankenhäusern und Unikliniken, aber auch in privaten Einrichtungen sowie in größeren Arztpraxen mit eigenen Laboren, Forschung und Industrie. Als MTLA kann man in vier verschiedenen Bereichen tätig sein – ja nachdem, für welches Fachgebiet sich eine MTLA nach der Ausbildung entschieden hat:

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin im Bereich der Hämatologie

Hämatologie ist die Lehre vom Blut und den dazugehörigen Erkrankungen. Sie befasst sich vor allem mit den festen Bestandteilen im Blut, wie den roten und weißen Blutkörperchen und -plättchen. Eine MTLA ist verantwortlich für Durchführung von Untersuchungsgängen in der morphologischen Hämatologie, der Immunhämatologie und der Hämostaseologie einschließlich der Ergebniserstellung, Qualitäts- und Plausibilitätskontrolle.

  • Morphologische Hämatologie: Morphe bedeutet sowie viel wie Gestalt, Aussehen. In diesem Bereich stellen MTLA also fest, ob die Anzahl der Blutkörperchen und -plättchen im Normalbereich liegt. Das ist natürlich je nach Geschlecht und Alter unterschiedlich. Außerdem untersuchen sie die Gestalt und das Aussehen der Zellen und vergleichen sie mit gesunden Zellen. Die MTLA arbeitet an komplexen Geräten und unterschiedlichen Laborinformationssytemen. MTLA bewerten auch unter dem Mikroskop Blut- und Knochenmarksproben auf pathologische Veränderungen.
  • Immunhämatologie: Hier arbeiten MTLA vor allem im Bereich der Transfusionsmedizin. Benötigt ein Patient die Blutkonserve eines Spenders, ist es sehr wichtig, dass die Blutgruppen sowie viele weitere Parameter übereinstimmen. Erhält ein Patient Spenderblut, das nicht passt, können erhebliche Schäden entstehen. Die MTLA haben also eine enorme Verantwortung.
  • Hämostaseologie: Hämostase ist besonders wichtig für die Wundheilung. Denn sie sorgt dafür, dass bei einer Verletzung eines Gefäßes, die Blutung zum Stehen kommt. Die Prozesse im Körper müssen also optimal funktionieren, sodass die Patienten während einer Operation oder bei einer Verletzung nicht verbluten. Andererseits ist es auch wichtig, dass das Blut ungehindert durch die Gefäße fließt. Die Aufgabe von MTLA ist es daher, besonders vor einer Operation die Gerinnungsfähigkeit des Bluts der Patienten zu überprüfen. Es gibt aber auch Erkrankungen, beispielsweise des Herzens, bei denen das Blut bewusst mithilfe von Gerinnungshemmern verdünnt wird. Die optimalen Werte bestimmen ebenfalls die MTLA.

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin im Bereich der Histologie/Zytologie

In diesem Bereich sind MTLA für die technische Aufarbeitung des histologischen und zytologischen Untersuchungsmaterials, die technische Beurteilung der Präparate auf ihre Brauchbarkeit zur ärztlichen Diagnose verantwortlich. Vor allem Gewebe und Zellen, manchmal auch Organe, die während einer Operation entnommen sind, werden feingeweblich so aufbereitet, dass Pathologen die Gewebe/Zellen schließlich untersuchen können. Es geht darum herauszufinden, ob krankhafte Zell- oder Gewebeveränderungen vorliegen.

Die MTLA sind verantwortlich für das Haltbarmachen, Schneiden und Färben der Gewebe/Zellen. Die Gewebe sind hauchdünn in Mikrometer geschnitten und häufig werden noch Spezialuntersuchungen in der Molekularpathologie oder Immunhistochemie durchgeführt.

MTLA für Zytologie bereiten Zellabstriche auf, färben sie an und screenen die Präparate vor, zum Beispiel zur Krebsfrüherkennung.

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin im Bereich der Klinischen Chemie

MTLA sind für die Durchführung von Untersuchungsgängen in der Klinischen Chemie einschließlich der Ergebniserstellung, Qualitäts- und Plausibilitätskontrolle verantwortlich. Hier untersuchen MTLA das Blutplasma und Serum sowie andere Körperflüssigkeiten. Im Blut befinden sich alle lebensnotwendigen Stoffe des Körpers, die über die Blutbahnen zu den Organen und Zellen transportiert werden: Eiweiße, Fette und Kohlehydrate, aber auch Vitamine, Hormone und Spurenelemente. Zudem befinden sich im Blut Abfallstoffe, die von den Organen wegtransportiert werden. MTLA führen selbstständig und eigenverantwortlich die Analysen der Patientenproben durch und bewerten diese. Sind die zu untersuchenden Parameter zu hoch oder zu niedrig, so kann es auf eine Krankheit des Patienten hinweisen. Die MTLA arbeitet an komplexen Geräten und unterschiedlichen Laborinformationssytemen.


Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin im Bereich der Mikrobiologie

In diesem Bereich sind MTLA für die Durchführung von Untersuchungsgängen in der Mikrobiologie, Parasitologie und Immunologie einschließlich der Ergebniserstellung, Qualitäts- und Plausibilitätskontrolle verantwortlich. Sie untersuchen unterschiedliche Materialien von Patienten, z. B. Abstriche, Punktate oder Ausscheidungen auf verschiedene Krankheitserreger und deren Therapiemöglichkeiten. Das können Bakterien oder Viren sein, Pilze, Würmer oder Parasiten.

Hier gibt es vier Spezialisierungen:

  • Bakteriologie
  • Parasitologie
  • Mykologie (Pilzerkrankungen)
  • Virologie

Eine MTLA ist auch in der Immunologie tätig und untersucht aus z. B. Serum den Zustand der körperlichen Abwehr eines Patienten gegen Krankheitserreger oder auch Umweltgifte oder biologische Toxine.

Wie werde ich MTLA?

Es gibt Schulen für die Ausbildung zur MTLA. Die Ausbildung wird über das MTA-Gesetz und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (MTAG v.1993, und der MTAG-APrV v. 1994) geregelt. Um MTLA werden zu können, benötigen Interessierte mindestens einen Realschulabschluss sowie Interesse an Medizin, Technik und Naturwissenschaften. Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet an einer staatlich anerkannten Schule für Medizinisch-technische Assistenten in der Medizin statt. Die schulische Ausbildung läuft so ab, dass es theoretischen und praktischen Unterricht an der Schule selbst gibt. Die Ausbildungsinhalte umfassen Grundlagen aus naturwissenschaftlichen Fächern und den oben genannten Schwerpunktfächern. Die Auszubildenden müssen ein Praktikum von sechs Wochen in Krankenhäusern durchführen und sich im Bereich der Krankenpflege mit Fertigkeiten und solchen Verrichtungen einweisen lassen, die für ihre Berufstätigkeit von Bedeutung sind. Des Weiteren müssen sie 1.000 Stunden praktische Ausbildung bei verschiedenen Labor-Kooperationspartnern der unterschiedlichen Schwerpunktbereiche absolvieren.

Während der MTA-Beruf im internationalen Raum auf Hochschulebene stattfindet, ist in Deutschland die Ausbildung über Berufsfachschulen geregelt. Hierzulande gibt es nur wenig Studiengänge in denen MTA ihre Kompetenzen erweitern können und mit dem Bachelor of Science abschließen:

Für ein MTA-ergänzendes Studium benötigen Interessenten in der Regel die allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife – manchmal gilt alternativ eine abgeschlossene Ausbildung zur MTA – einige Hochschulen verlangen beides. Die Studienzeit ist unterschiedlich geregelt, sie wird ausbildungsbegleitend oder ergänzend zur MTLA-Ausbildung angeboten. Das ist fachhochschulabhängig.

Wie viele MTLA gibt es in Deutschland?

In Deutschland waren laut der Bundesagentur für Arbeit im März 2018 insgesamt 99.279 MTA als sozialversicherungspflichtige Berufstätige gemeldet. 2016 waren es 98.107 MTA, die Tendenz ist also steigend. In der Laboratoriumsmedizin selbst sind es 67.479 MTLA und immer noch ein Beruf, in dem Frauen dominieren.

Wie viel verdienen MTLA?

Nach der Ausbildung richtet sich das Einstiegsgehalt nach den verschiedenen Tarifverträgen. Die Einstiegsvergütung liegt im Schnitt bei ungefähr 2.200 - 2.500 Euro – private Labore zahlen oft weniger. Ausschlaggebend sind zudem die Tätigkeitsmerkmale und -schwerpunkte. Also: Führt eine MTLA hochkomplexe Untersuchungen oder einfachere Tätigkeiten aus? Außerdem hängt das Gehalt vom Fachkräftemangel ab, wodurch die Verdienstmöglichkeiten steigen können. Laut des deutschen Krankenhaus-Barometers von 2016 herrscht in den MTA-Berufen ein Fachkräftemangel. Bei den MTLA stieg der Anteil der vom Fachkräftemangel betroffenen Häuser von vier Prozent in 2011 auf 14 Prozent, in Großkrankenhäusern mit über 600 Betten sogar auf 23 Prozent. Das ist auch zunehmend in den privaten Krankenhäusern und niedergelassenen Laboren der Fall.

Politische Vertretung: DVTA e.V.

Die MTA-Berufe auf den Weg in die Zukunft zu begleiten und zu beraten, darum kümmert sich der Dachverband für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland e.V. (DVTA). Er vertritt als einzige berufsständige Vertretung die Interessen aller MTA. Der Verband nimmt außerdem an Stellungnahmen und Anhörungen teil und kann so zum Beispiel auf Gesetze Einfluss nehmen oder eben auch auf Regelungen – zuletzt bei der Strahlenschutzverordnung. Der Verband kooperiert mit vielen nationalen und internationalen Interessenverbänden.

 

Kommentare