medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in

Zukunft MTLA sichern/MTLA-Beruf stärken

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am 18.03.2019

Für mehr Eigenständigkeit der MTLA: Ein Gespräch mit Christiane Maschek, Präsidentin des DVTA Fachrichtung Laboratoriums-/Veterinärmedizin

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen und -assistenten (MTLA) arbeiten meist im Verborgenen – in medizinischen Laboratorien, Arztpraxen, Krankenhauslaboratorien, Forschungseinrichtungen und der Industrie. Sie handeln entsprechend §9 Abs. 3 MTAG, das heißt auf „Anforderung des fachkundigen Arztes und führen die ihnen vorbehaltenen Tätigkeiten selbstständig und eigenverantwortlich durch.“ Sie haben aber die Fähigkeit ebenso andere Tätigkeiten selbstständig durchzuführen, wie zum Beispiel die Vorbefundung. Dies würde Ärzte entlasten.

Wir haben mit Christiane Maschek, Präsidentin des DVTA Fachrichtung Laboratoriums-/Veterinärmedizin, über den Beruf der MTLA gesprochen: Wie der Stand heute ist und was sich ändern müsste, um den Beruf zukunftsfähig und attraktiv zu halten.

Schulgeld statt Ausbildungsvergütung

Wer MTLA werden möchte, absolviert seine Ausbildung an einer Berufsfachschule. Die Schulen erhoben bisher in der Regel Schulgeld, das die Schülerinnen selbst bezahlen mussten. Das ist natürlich ein großer Wettbewerbsnachteil, weshalb sich der DVTA für die Abschaffung des Schulgeldes und eine Ausbildungsvergütung für MTA einsetzt. Letzteres hat der DVTA gemeinsam mit ver.di nun erreicht. Seit dem 14. Dezember 2018 steht fest, dass im Bereich des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (TVöD-VKA) und des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) eine Ausbildungsvergütung für die MTA-Berufe ab dem 1. Januar 2019 gibt. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Ausbildung attraktiver und wettbewerbsfähig zu machen. Aktuell ist die Finanzierung der Schulen über das Krankenhausfinanzierungsgesetz geregelt. „Das Schulgeld, das die Schulen bisher erhoben, war jedoch gesetzlich nicht geregelt. Jede MTA-Schule kann festlegen, wie viel die Schülerinnen monatlich zahlen“, berichtet Christiane Maschek.

Akademisierung für mehr Durchlässigkeit

In den MTLA-Berufen herrscht Fachkräftemangel. Dieser liegt laut Christiane Maschek zum einen an der relativen Unbekanntheit des Berufes der MTLA: „Diesen Beruf kennt fast keiner. Es wird einem Blut abgenommen und nur die wenigsten wissen, wer es dann weiter analysiert. Das findet quasi hinter verschlossenen Türen statt.“ Außerdem sei der Beruf wenig attraktiv, da es an Durchlässigkeit fehlt. Es gibt zu wenig Perspektiven für MTLA-Absolventen“, berichtet die Präsidentin.
„MTLA machen eine Ausbildung und können nicht, wie in anderen Berufen, eine staatlich anerkannte Weiterbildung oder ein berufsspezifisches Studium absolvieren, um sich weiter zu qualifizieren und evidenzbasiert zu handeln. Hierfür müssen wir in Deutschland noch schwer kämpfen“, sagt Maschek. Modellstudiengänge wie etwa in der Physiotherapie gibt es bei den MTLA nicht. „Es gibt in Deutschland bislang zwei Studiengänge, die für MTA in Frage kommen können, also Studiengänge für biomedizinische oder medizintechnische Wissenschaften, aber das ist zu wenig spezifisch für MTLA. In diesem Bereich muss dringend etwas geschehen“, erläutert sie weiter.

Eigene Labore, eigene Abrechnung

Einen Direktzugang haben in Deutschland Leistungsträger, und MTLA sind bisher keine Leistungsträger. Der Regelfall ist aber, dass die MTLA die Laborleistungen selbstständig und eigenverantwortlich erbringen und dafür auch die Durchführungshaftung tragen, aber nicht selbst abrechnen dürfen.

Ein Direktzugang könnte hingegen so aussehen: „Ein Patient geht zum Arzt. Der Arzt macht eine Anamnese und nimmt dann Blut vom Patienten ab. Dieses gibt er an ein Labor, das von MTLA geleitet wird. Dort sind dann die notwendigen Untersuchungen durchzuführen – eben von MTLA“, berichtet die Präsidentin. Dadurch könnten Untersuchungen zielgerichteter stattfinden und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Zudem werden die Ärzte entlastet. „Für die MTLA wäre der Vorteil, dass sie die erbrachten Leistungen eigenständig abrechnen können“, fügt sie hinzu.

Christiane Mascheks Wunsch für die Zukunft

„Mein Wunsch ist die Neuordnung der Aufgabenbereiche aller Gesundheitsberufe insgesamt und natürlich die Novellierung des MTA-Gesetzes sowie der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Außerdem wünsche ich mir, dass die derzeit routinemäßig an MTLA delegierten Tätigkeiten, wie Vorbefundung oder bestimmte eigenständige Entscheidungen, in das Gesetz einbezogen werden. Die Ausbildung sollte fester Bestandteil des Berufs bleiben, die jedoch standardisierter und bundeseinheitlich ablaufen sollte, da es aktuell große qualitative Unterschiede zwischen den Schulen gibt. Wer sich zudem weiter qualifizieren möchte, sollte die Möglichkeit bekommen, zu studieren. Wichtig ist, eine Perspektive zu schaffen und den Beruf attraktiver aufzustellen. „Ich habe auch weiterhin die Hoffnung, dass das noch alles passiert, bevor der Fachkräftemangel so groß ist, dass eine flächendeckende Versorgung einfach nicht mehr möglich ist“, sagt Maschek.

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