medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in

Eine MTLA erzählt von Ihrer Ausbildung: Sie ist wie ein kleines Studium

Alle für Gesundheit MTLA

am 18.03.2019

Merle Lenort (29) ist Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin (MTLA) an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dort arbeitet sie in der Transfusionsmedizin, im Bereich Immunhämatologie. Sie hat nach ihrer Fachhochschulreife Gesundheit und Soziales auch die dreijährige Ausbildung an der MHH absolviert, die sie 2010 erfolgreich abschloss. Seit acht Jahren ist sie nun MTLA in ihrem Fachbereich.

„Die Anforderungen für die MTLA-Ausbildung sind ein Realschul- oder höherer Abschluss. Ich habe nach der Realschule noch meine Fachhochschulreife im Bereich Gesundheit und Soziales gemacht. Ich kann sehr empfehlen, erst einmal weiter zu Schule zu gehen und erst dann die Ausbildung zu starten“, berichtet Merle Lenort. „Man merkt sehr stark, dass die Ausbildung auf die Leistungskurse Chemie und Biologie ausgerichtet ist.“ Sie habe mit der Zeit schon festgestellt, dass sie im Vergleich zu den anderen Azubis mit Abitur leichte Defizite in diesen Fächern hatte. Denn die Ausbildung sei sehr anspruchsvoll und eine sehr gute Vorbereitung auf ein Medizinstudium. „Wir hatten an der MHH überwiegend die gleichen Dozenten wie die Medizinstudenten“, erklärt die MTLA. „Und auch ähnliche oder gleiche Kursinhalte.“

Schulische Anforderungen waren hoch

Die Ausbildung ist eine schulische. „Da war ich doch etwas überrascht“, meint Lenort. „Man denkt, man hat seine Lehrbücher und seinen Unterricht sowie Praktika. So war es aber nicht. Wir hatten Vorlesungen, wie in einem Studium und dann noch den praktischen Unterricht in den Laboren der Schule.“ Ein normaler Schultag sieht so aus: Es finden am Vormittag beispielsweise zwei Vorlesungen statt, dann gibt es eine Mittagspause und anschließend beginnt ein fünfstündiges Praktikum. „Was auch nicht ganz leicht war: Vorlesungen im Bereich Immunhämatologie hatten wir zum Beispiel bei Ärzten und die Praktika bei der MTA-Lehrerin. Wenn wir dann Klausuren und im Praktikum ein Testat geschrieben haben, war es schon fast so, als hätten wir für zwei Fächer gelernt.“ Das sei alles schon sehr umfangreich gewesen – auch das selbstständige Arbeiten, ähnlich wie in einem Studium.

Ausbildungsverordnung ist veraltet

„Wir in Deutschland hinken mit der Akademisierung einfach zu stark hinterher. Zwar ist die Ausbildung ähnlich wie ein Studium, aber eben ohne den entsprechenden Abschluss“, sagt Lenort. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für technische Assistenten in der Medizin (MTA-APrV) ist von 1994. Dass diese veraltet sei, merke man schon an den Praktika, meint Lenort. Während für den Bereich Immunhämatologie zwei Wochen angesetzt sind, sind es in der Klinischen Chemie sechs Wochen lang. „In der Klinischen Chemie geht es darum, Hormonwerte und Tumormarker zu bestimmen, eine Urindiagnostik durchzuführen. Das sind zwar viele Bereiche, aber die Arbeit ist mittlerweile so automatisiert, dass meiner Meinung nach zwei Wochen Praktikum reichen würden“, ergänzt sie. „Irgendwann wird es für die Praktikanten dann auch langweilig, zuzugucken, wie man Röhrchen in ein Gerät stellt und die MTA die Ergebnisse validiert.“ Da gebe es durchaus spannendere Sachen.

„Ich arbeite deshalb in der Immunhämatologie. In diesem Bereich sind wir sehr selbstständig und aktiv an den Operationen beteilig – nicht im OP selbst, aber im Labor“, berichtet die MTLA. „Es gibt immer eine enge Kommunikation zwischen den OP-Sälen und den Laboren. Wir sind quasi involviert, wenn es um lebensbedrohliche Situationen geht. Dann rufen Ärzte hier an und sagen: `Jetzt brauchen wir sofort sechs Blutkonserven. Der Patient liegt hier und verblutet´.“

Lenort braucht Action

Der Stressfaktor sei in der Transfusionsmedizin immer noch etwas anderes, als beispielsweise in der Mikrobiologie. „Hier kommt es auch öfter schon zu extremen Stresssituationen, in denen wir einen kühlen Kopf bewahren müssen. Das macht halt auch einfach Spaß“, berichtet Lenort. Dafür müsse man aber auch geeignet sein. „Meine Cousine arbeitet als VMTA, also als Veterinärmedizinisch-technische Assistentin in der Forschung. Ich habe mir ihren Arbeitsplatz einmal angesehen und mir gleich wieder gedacht: Nee, ich brauche mehr Action.“ Merle Lenort geht gerne nach Hause und denkt: Heute hast du wieder richtig was geleistet.

Sie hat während der Ausbildung zusätzlich zur Schule samstags im Einzelhandel gejobbt. „Das war für mich immer ein netter Ausgleich, aber eben auch hart, weil ich eine 6-Tage-Woche hatte“, erzählt sie. „Aber die 450 Euro waren es mir wert. Mit dem Ende der Ausbildung habe ich den Job aber aufgegeben. Für die Bewerbung auf meine jetzige Stelle war der Nebenjob jedoch schon ein positiver Aspekt. Ich konnte sagen: Ich habe lange eine 6-Tage-Woche gehabt, mir macht das nichts aus, ich bin belastbar, ich kann Stress und Schichtdienst.“

In der Ausbildung Basics, im Beruf Hightech

Heute arbeitet Merle Lenort an ihren Arbeitsplätzen mit Vollautomaten. „Dadurch kommt auch das technische in unserer Berufsbezeichnung sehr zum Einsatz“, sagt sie. „Früher wurden die Arbeiten alle per Hand gemacht. Das ist auch noch so, wenn ein Notfall eintritt und beispielsweise ein Gerät nicht funktioniert.“ Das sei auch der Unterschied zwischen der Ausbildung und ihrem jetzigen Job. „In der Schule haben wir alles per Hand gemacht oder eben an Geräten gearbeitet, die veraltet und in anderen Laboren ausgemustert wurden, erklärt die MTLA. „Jetzt arbeite ich an Hightech-Geräten. Meinen jetzigen Job kann ich also nicht damit vergleichen, was ich in der Ausbildung gelernt habe.“

Wie die MTLA Merle Lenort heute arbeitet und was der Beruf der MTLA so alles mit sich bringt, lesen Sie hier.

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