medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in

Eine MTLA appeliert: Fachübergreifende Hospitationen würden das Verständis füreinander verbessern

Alle für Gesundheit MTLA

am 18.03.2019

Die Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin Merle Lenort (29) berichtet aus ihrem Arbeitsalltag im Labor für Immunhämatologe in der Transfusionsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie erzählt uns, wie die Situation in ihrem Beruf aussieht und was sie langfristig verbessern würde.

„Nachdem ich meine Ausbildung an der MHH abgeschlossen hatte, habe ich hier gleich einen Job in der Immunhämatologie bekommen“, erzählt Merle Lenort. „Zunächst hatte ich lange nur einen befristen Vertrag. Das ist leider häufig üblich. Jetzt habe ich einen unbefristeten Vertrag und diesen gibt man in der Branche auch nicht so leicht wieder her.“ Wer als neue Mitarbeiterin in der Immunhämatologie der MHH anfängt, wird sechs bis zwölf Monate eingearbeitet, bis man dienstfähig ist. Das bedeutet, die Mitarbeitern kann selbstständig arbeiten.

Im Labor ist an 365 Tagen im Jahr Betrieb

„Wichtig in unserem Beruf, und vor allem in unserem Labor, ist Teamfähigkeit. Wir verbringen wirklich 24 Stunden, sieben Tage die Woche zusammen – wir sehen uns hier mehr als unsere eigene Familie“, erzählt Lenort. „Wir müssen in dem Job immer 24 Stunden abdecken. Das Labor muss also immer besetzt sein, auch am Wochenende und an den Feiertagen.“ Sie sagt weiter: „Wer da als Frau Nachwuchs bekommen möchte, muss sich gut organisieren. Einige Kolleginnen arbeiten dann in Teilzeit und dann ist es natürlich schwieriger, die ganzen Dienste abzudecken.“

Verschiedene Stationen innerhalb des Labors

Ein ganz gewöhnlicher Arbeitsalltag in einem großen Krankenhaus wie der MHH unterteilt sich in Schichten. Bei Merle Lenort sieht er so aus: „Wir starten in der Frühschicht um 7.30 Uhr und arbeiten dann bis 15.42 Uhr. Diese krumme Zahl kommt zustande, weil wir Überstunden reduzieren müssen. Freitags wird von unserer Leitung immer ein Arbeitsbesetzungsplan geschrieben, der angibt, wann wir an welchen Routinearbeitsplätzen arbeiten.“ Im Labor der Immunhämatologie gibt es folgende Plätze:

  • Der Blutgruppenplatz bestimmt die Blutgruppen der Patienten.
  • Am Kreuzprobenplatz wird geschaut, welche Konserven kann der Patient transfundiert bekommen? Das ist quasi die Verträglichkeitsprobe.
  • Im Spenderlabor werden die Spenderblutgruppen bestimmt.
  • Im Annahmebereich findet die Probenerfassung statt.
  • Dann gibt es die Verwaltung des Kühlschranks für die Konserven. Nach sechs Wochen muss eine Blutkonserve beispielsweise vernichtet werden.
  • Im sogenannten Speziallabor werden Tests wie Unverträglichkeitsprüfungen gemacht. In diesem Bereich sind nicht alle Kolleginnen eingearbeitet.

Während der Schichten muss jeder Platz besetzt sein. „Ich gucke dann immer freitags, auf welchem der Plätze ich wann arbeite. Das ändert sich auch Tag für Tag, sodass immer Abwechslung herrscht. Wir müssen also alles können“, erklät die MTLA.

Schichtdienst gehört zum Job

Gegen Mittag kommt dann der Spätdienst, der von 12 Uhr bis 20 Uhr arbeitet. „Die meiste Arbeit verteilt sich in der Regel auf den Vormittag. Da werden auf den Stationen am häufigsten Blutproben genommen“, berichtet Lenort. „Die Rufbereitschaft arbeitet dann von 12.15 Uhr bis 23 Uhr und kommt am nächsten Tag zur Nachtschicht. Das ist quasi eine Doppelschicht. Wenn es nachts sehr ruhig ist, kann man sich auch mal im Nachtdienstzimmer auf das Sofa legen, aber in der Regel arbeiten wir in der Zeit und sind natürlich sofort einsatzbereit, sobald das Telefon klingelt und zum Beispiel ein Polytrauma-Patient operiert werden muss. Ich höre oft die Frage: `Was muss denn nachts im Labor gemacht werden?` Viele wissen halt nicht, dass in einem Krankenhaus der Betrieb Tag und Nacht läuft – ohne Pause.“

Arbeit im Labor kann nicht jeder nachvollziehen

„Viele in unsere Haus wissen nicht, wie wir arbeiten. Ich weiß natürlich, aus eigener Erfahrung oder aus dem Fernsehen, wie es in einem OP, in der Notaufnahme oder auf Station in Etwa zugeht. Andersherum ist das aber nicht immer der Fall“, sagt die MTLA. Ein Beispiel dafür, erklärt Lenort: „Wir sind für die Krankenhaus-Apotheke das Notfalldepot für Gerinnungspräparate. Bei uns bekommt man bestimmte Faktoren, die den Gerinnungsprozess unterstützen können. Wir sind aber wirklich nur für solche Notfälle da, zum Beispiel wenn die Apotheke geschlossen hat. Den Stationen ist das aber oft nicht bewusst, sodass sie auch nachts bei uns anrufen und alle möglichen Medikamente von uns haben möchten, die wir natürlich gar nicht lagern. Auch fragen einige, wie sie bestimmte Arzneimittel denn verabreichen sollen. Solche Fragen kann ich natürlich nicht beantworten.“

Hospitationsprogramm initiiert

Die Leiterin des Labors hat daher eingeführt, dass jede Mitarbeiterin einen Tag in einem OP hospitieren durfte. „Das war schon toll, weil man einmal genau schauen konnte, wie alles abläuft, wie alles organisiert ist“, fügt sie hinzu. Andersherum kommen die Anästesisten, die neu an der MHH anfangen, immer zwei Tage zu Lenort und ihren Kolleginnen ins Labor, um ihre Arbeit kennenzulernen. „Die sind dann auch oft beeindruckt, was wir im Labor eigentlich alles leisten und finden das alles hochinteressant“, sagt sie. „Danach merkt man extrem, wie gut das Verständnis untereinander plötzlich ist. Ich würde mir daher wünschen, dass solche Hospitationen zum Beispiel auch mit den Stationen oder der Notaufnahme stattfinden.“ Merle Lenort glaubt, dass das Interesse daran besteht, dass es aber in der Praxis kaum umzusetzen ist, weil in einigen Abteilungen einfach ein zu großer Personalmangel herrscht.

Angehende Ärzte für die Laborarbeit sensibilisieren

Im Rahmen ihres Studiums kommen auch immer mal wieder angehende Mediziner ins Labor der Immunhämatologie für einen ihrer praktischen Teile. „Das wäre eigentlich eine gute Gelegenheit die neue Arzt-Generation ein wenig besser an unsere Arbeit heranzuführen, denn jeder Arzt im Krankenhaus wird wahrscheinlich im Laufe seiner Karriere einmal eine Blutkonserve transfundieren“, berichtet die MTLA. „Aber auch hierfür ist wieder nicht genug Personal vorhanden. Das ist eigentlich immer das größte Problem.“

Gute Bezahlung, aber zu wenig Personal

Merle Lenorts größter Wunsch ist daher auch: mehr Personal auf allen Ebenen, auch bei ihr im Labor. „Wir haben zwei Wochenenden im Monat Dienst. Natürlich wäre es schön, wenn wir nur ein Wochenende im Monat arbeiten müssten. Außerdem könnten die Schichtzulagen höher sein, damit ich für meine fehlende Freizeit entschädigt werde“, sagt sie. „Etwa 200 Euro brutto gibt es durch Nacht- und Wochenenddienste mehr im Monat.“ Dadurch verdienen MTLA in großen Krankenhäusern wie der MHH ungefähr 3.500 Euro monatlich inklusive Schichtzulagen. Das ist, bezogen auf die Berufsgruppe, überdurchschnittlich – im Vergleich zu Privatlaboren zum Beispiel.“

Hier berichtet Merle Lenort von ihrer Ausbildung zur MTLA.

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