Physiotherapeut/in

Das Potenzial der Physiotherapie ist noch längst nicht ausgeschöpft

Alle für Gesundheit Physiotherapie

am 16.08.2017

Im Moment können Physiotherapeuten Patienten nur behandeln, wenn sie dazu die Weisung eines Arztes oder Heilpraktikers erhalten oder selbst zum sektoralen Heilpraktiker weitergebildet sind. Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV), erklärt im Interview, wie ein direkter Zugang zum Therapeuten den Patienten zugutekäme.

Alle für Gesundheit: Frau Repschläger, was bringen die Physiotherapeuten ins Gesundheitswesen ein, was andere Heilberufe nicht haben?

Ute Repschläger: Die Physiotherapie verfolgt einen ganzheitlichen, patientenorientierten Ansatz. Sie berücksichtigt nicht nur die reinen Symptome der Patienten, sondern alle Faktoren, die auf die Gesundheit Einfluss nehmen. Physiotherapeuten verfügen über hochspezialisiertes Fachwissen zur Untersuchung und Behandlung vor allem von Störungen des Bewegungssystems. Sie nehmen die Rolle eines empathischen Coaches ein, der Patienten professionell Hilfe zur Selbsthilfe leistet.

Alle für Gesundheit: Inwiefern können die Therapeuten diese Kompetenzen im Alltag auch einsetzen?

Ute Repschläger: Unserem ganzheitlichen Grundsatz zur bestmöglichen Versorgung von Patienten stehen einige Dinge im Wege: starre, oft verbesserungswürdige Therapievorgaben, ein schlechter Informationsfluss bezogen auf die Patientenakte, unflexible, zu kurze Behandlungszeiten und nicht zuletzt die prekäre Vergütungssituation. Das große Potenzial, das Physiotherapeuten in die Patientenversorgung einbringen können, ist also längst noch nicht ausgeschöpft.

Alle für Gesundheit: Als wichtigster Schritt in die richtige Richtung gilt vielen Therapeuten der Direktzugang oder „Direct Access“. Warum?

Ute Repschläger: Internationale Studien belegen, dass der Direktzugang zur Physiotherapie sowohl die Qualität als auch die Wirtschaftlichkeit der Versorgung verbessert. Zum einen sorgt er dafür, dass Patienten mit Störungen des Bewegungsapparats wesentlich schneller Hilfe erhalten. Die vielfach beklagten Wartezeiten auf einen Termin beim Arzt entfallen dann einfach. Zum anderen räumt er den informierten und mündigen Patienten ein Wahlrecht ein. Sie können frei entscheiden, ob sie sich bei Beschwerden zunächst an einen Arzt wenden oder ob sie sich gleich in physiotherapeutische Behandlung begeben wollen.

Alle für Gesundheit: Wenn Sie einen Wunsch bei einer guten Fee frei hätten, was würden Sie sich für den Beruf der Physiotherapeuten wünschen?

Ute Repschläger: Wir Physiotherapeuten wünschen uns ein patientenorientiertes Gesundheitssystem in Deutschland, in dem sich alle beteiligten Berufsgruppen entfalten können, um ihre Kompetenzen zum Wohle der Patienten einzusetzen. Dazu gehören für uns neben dem Direktzugang vor allem auch die Akademisierung der Gesundheitsberufe, die Abschaffung des Schulgelds sowie nicht zuletzt eine bessere Vergütung für die Therapieberufe. Nur so können wir sicherstellen, dass Patienten auch in Zukunft eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung mit Physiotherapie erhalten.

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