Medizinisch-technische/r Radiologieassistent/in

Arbeiten als Medizinisch-technische Radiologie-Assistentin (MTRA)

Alle für Gesundheit medizinisch-technische/r Radiologieassistent/in

von Medienteam Medizin
am 06.04.2019

Freie Arbeitgeberwahl – in welchem Beruf hat man das heute noch? 

Von der Uniklinik Lübeck in eine Radiologische Praxis in Hamburg – für Julia Sobiech, 33 Jahre, war das genau die richtige Entscheidung. Sie schätzt die freien Wochenenden und Feiertage und den geregelten Alltag in der Praxis. Missen möchte sie die Zeit in der Klinik aber nicht. „Ich habe sehr viel gelernt und auch sehr viel gesehen, das hat mich geprägt“, so Sobiech. Sie empfiehlt vielen, den Beruf zu erlernen – vor allen Dingen wegen der guten Rahmenbedingungen, dem sehr selbstständigen Arbeiten und der Tatsache, dass MTRA fast überall einen Job bekommen, wo sie möchten.

Ärztin – das war eigentlich der Berufswunsch von Julia Sobiech. Als sie 18 Jahre alt war, absolvierte sie ihr Abitur und arbeitete danach je ein halbes Jahr in einer Klinik und in einem Altenpflegeheim. So sammelte sie zwei Wartesemester für das Medizinstudium – viel zu wenig. Sie entschied sich gegen das Studium und für eine MTRA-Ausbildung in ihrer Heimatstadt Rostock. „Meine Mutter kannte die Lehrerin für den MTRA-Bereich, da meine Schwester bereits die Ausbildung an der Schule in Rostock absolviert hat. Daher wusste ich auch, was auf mich zukommt.“

Danach zog sie 2008 nach Lübeck und fing an, an der Uniklinik zu arbeiten. Denn: Der Verdienst im Osten ist immer noch deutlich geringer, wir reden da von bis zu 300 Euro brutto pro Monat. „Nach einem halben Jahr an der Uniklinik kam die MTRA-Leistung auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht ans MRT möchte“, erzählt Sobiech. „Nach erst sechs Monaten im Beruf sagt man natürlich nicht Nein, auch wenn man noch nicht alles beherrscht. Rückblickend hätte mir aber nichts Besseres passieren können, denn so bin ich zu meinem Spezialgebiet gekommen, MRT-Untersuchungen.“

Es muss nicht jeder alles können

In der Uniklinik musste man sehr viel gleichzeitig beherrschen, was Sobiech auf Dauer eine zu große Belastung wurde. Zudem war die Einarbeitung nicht immer so zufriedenstellend und komplex, wie sie es sich gewünscht hätte, da es manchmal einfach zu wenig Personal gab. „Dann heißt es Learning bei doing“, ergänzt Sobiech. „Man muss aber immer bedenken, dass wir am Menschen arbeiten. Unterläuft uns etwa beim Röntgen ein Fehler, wodurch wir erneut Bilder anfertigen müssen, setzen wir den Patienten unnötiger Strahlung aus. Mein Credo als MTRA ist daher: Lieber Qualität statt Quantität, also eine oder zwei Untersuchungsart sehr gut beherrschen, statt mehrere eher oberflächlich“, so Sobiech. „Je erfahrener man ist, desto zügiger führt man die Untersuchungen dann ganz automatisch durch.“

Terminblöcke erleichtern den Arbeitsalltag

Seit 2014 arbeitet die MTRA in Hamburg Eimsbüttel in der Radiologischen Allianz. „An dem Standort gibt es einmal die Praxis und ein Krankenhaus gegenüber, in dem wir ebenfalls eingesetzt sind“, erklärt die MTRA. „Wir untersuchen also sowohl Patienten aus der Praxis als auch aus dem Krankenhaus.“ Hier ist Frau Sobiech überwiegend tätig. Die Frühsticht beginnt für sie dort um 6:30 Uhr und endet gegen 14:30 Uhr, die Spätschicht startet gegen 10 Uhr und endet um 18 Uhr.

„Wenn ich Frühschicht habe, fahre ich morgens als erstes alle Geräte und den Rechner hoch, melde mich an und bereite die Messeinrichtungen für die ersten Untersuchungen vor. Dann kommt auch schon der erste Patient aus der Praxis.“ Bei der Terminplanung achtet das Team immer darauf, dass gleiche Untersuchungen in einem Block nacheinander stattfinden. Das erleichtert die Durchführung. Denn: „Für MRT gibt es verschiedene Spulen. Für Brustuntersuchungen etwa nutzen wir die Mamma-Spule. Die wiegt ziemlich viel. Müssten wir diese bei jedem zweiten Patienten hin und her bauen, ginge das körperlich ganz schön an die Substanz.“

Der Tag ist eng getaktet

Einen Patienten nach dem anderen „arbeitet“ Frau Sobiech dann am Vormittag ab. „Während der eine auf dem Tisch liegt, hole ich mir den nächsten, befrage ihn, schaue mir Voraufnahmen an und lege, wenn nötig, einen Zugang, über den das Kontrastmittel gespritzt wird. Dadurch werden Strukturen im Körper besser sichtbar.“ Es gebe Tage, da ist das Stresslevel schon sehr hoch, da die Untersuchungen sehr eng getaktet sind. „Für ein Knie haben wir 15 Minuten Zeit, davon gehen schon alleine 10 bis 11 Minuten Tischliegezeit drauf. Es bleiben also nur vier bis fünf Minuten, um den Patienten aufzuklären, ihn auf den Tisch zu legen und ihn richtig zu lagern“, sagt die MTRA. „Wenn dann mal eine Messung verwackelt, kommen wir schon in Verzug.“ Über den Tag verteilt können so aus wenigen Minuten schon mal eine Stunde werden. Um solche Verzögerungen zu vermeiden, bestellt das Team die Patienten in der Regel 30 Minuten früher ein. So schaffen sie sich selbst einen kleinen Puffer.

Strukturiertes Arbeiten zahlt sich aus

„Nachmittags kümmern wir uns dann um die stationären Patienten“, so Sobiech. „Wir sind da sehr frei in der Planung. Morgens schauen wir in dem System nach, welche Patienten ein MRT benötigen und legen dementsprechend die Untersuchungen selbst fest – je nach Priorität.“ Bis etwa 15 Uhr sind die MTRA zu zweit in der Klinik. Bis dahin versuchen sie, alle aufwendigeren Untersuchungen wie etwa vom Bauchraum, bei der Atemanweisungen gegeben werden müssen, durchgeführt zu haben. So kann sich die andere Kollegin um den nächsten Patienten kümmern, Anrufe annehmen oder ähnliches. „Wenn man alleine ist, muss man das parallel machen, eine Aufgabe, die nicht immer leicht zu händeln ist.“ Leerlauf nutzt Sobiech, um die Geräte zu reinigen. Denn auch die Gerätepflege gehört zur Aufgabe einer MTRA.

„Wir machen kein Wellness“

In einem Bewerbungsgespräch wurde Frau Sobiech gefragt, wie sie dazu stehe, dass sie Dienstleisterin sei und der Patient ein Kunde. „Ich habe dazu eine klare Meinung und finde, man sollte immer noch von Patienten und nicht von Kunden sprechen. Wir gehen mit Menschen um, die Schmerzen und gesundheitliche Probleme haben. Darauf müssen wir uns einlassen. Auf der anderen Seite erwarten wir aber auch etwas vom Patienten.“ Frau Sobiechs Lieblingsspruch ist: „Wir machen kein Wellness“. Es gebe Lagerungstechniken, die Patienten einhalten müssen, um entsprechende Messungen durchzuführen. Manchmal sei das unangenehm, es drücke mal oder die Brust müsse ein wenig eingequetscht werden. „So würde ich nicht mit einem Kunden umgehen. Für mich sind und bleiben die Menschen, die zu uns kommen, Patienten – egal ob gesetzlich- oder privatversichert.“

Den Luxus der nahezu freien Arbeitgeberwahl
Zum Schluss fragen wir Frau Sobiech, wie zufrieden sie mit ihrer Berufswahl und der aktuellen Arbeitssituation ist. Manchmal denke sie schon mal darüber nach, wie es gewesen wäre, wenn sie doch den Schritt gewagt und Medizin studiert hätte, aber diese Gedanken verfliegen schnell. Denn sie ist glücklich, so wie es gekommen ist, sie ist gerne MTRA. „Ich empfehle den Beruf oft weiter, wegen des technischen Aspekts speziell auch immer wieder Männern. Wir haben einen so großen Fachkräftemangel, dass sich MTRA den Arbeitgeber aussuchen können. Die Arbeit in einer großen Klinik ist extrem abwechslungsreich, man bedient viele Großgeräte. Allerdings hat man Schicht-, Feiertags- und Wochenenddienste. Das fällt in Praxen weg, dafür ist die Arbeit an sich etwas monotoner – man spezialisiert sich halt in der Regel auf eine Untersuchungsart. Jeder kann die Arbeitsbedingungen so wählen, wie sie für einen am besten sind. Das ist schon ein echter Luxus.“

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