Altenpflege: Details zum Beruf

Alle für Gesundheit Altenpflege

von Kea Antes
am 24.04.2019

Die steigende Lebenserwartung in Kombination mit der aktuell recht niedrigen Geburtenrate sorgt dafür, dass unsere Gesellschaft zunehmend älter wird. Zwar können sich viele eine gute Gesundheit und die Selbstständigkeit bis ins hohe Alter erhalten, doch eben längst nicht alle. Viele ältere Menschen sind dann auf die Unterstützung anderer angewiesen. In einigen Fällen übernehmen Angehörige die Pflege. Oft jedoch sind es Altenpfleger/innen, die betagte Menschen in allen Belangen des Lebens begleiten.

Die Arbeit als Altenpfleger/in ist enorm vielseitig, die Dankbarkeit, die einem entgegengebracht wird, ist hoch. Hinzu kommt, dass es ein sicherer Job ist – bedingt durch den demografischen Wandel. Doch wie wird man überhaupt Altenpflegerin oder Altenpfleger? Was verdient man? Und wo kann man dann überall arbeiten?

Was machen Altenpflegerinnen und -pfleger?

Altenpflegerinnen und -pfleger arbeiten sehr selbstständig. Sie begleiten und unterstützen Seniorinnen und Senioren in ihrer letzten Lebensphase in allen Belangen – sowohl auf körperlicher, geistiger als auch seelischer Ebene. Sie helfen etwa bei alltäglichen Aufgaben wie der Nahrungsaufnahme, bei der Körperpflege, beim Anziehen, achten auf eine korrekte Medikamenteneinnahme und helfen bei der Freizeitgestaltung. Zudem beobachten Sie körperliche und psychische Veränderungen und steuern Pflegeprozesse – um einigen Aufgaben zu nennen.

Sie sind zudem oft erste Ansprechpartner bei Notfällen und lebensbedrohlichen Situationen,  die Verantwortung ist hoch. Wer mit Seniorinnen und Senioren zusammenarbeitet, dem muss bewusst sein, dass auch der Tod zum Arbeitsalltag gehört. Mit dieser Belastung gilt es umzugehen.

Beobachten, einschätzen und handeln

Altenpfleger/innen führen jedoch nicht nur die pflegenden Tätigkeiten an sich aus, sondern müssen den Menschen ganzheitlich im Blick haben und auf Abweichungen adäquat reagieren können.

Einige Beispiele:

  • Ein Altenpfleger unterstützt eine Seniorin bei der Nahrungsaufnahme.
  • Er schneidet beispielsweise nicht nur das Essen klein, sondern muss auch stets darauf achten, wie der Ernährungszustand und Flüssigkeitshaushalt der Frau sind.
  • Altenpfleger müssen also einschätzen können, ob etwa eine Unterversorgung oder ein Flüssigkeitsmangel vorherrscht.
  • Aus diesen Erkenntnissen gilt es dann entsprechende Maßnahmen abzuleiten, die den Zustand verbessern und diese zu evaluieren.

Nicht zuletzt gehören auch organisatorische Tätigkeiten zu der täglichen Arbeit, etwa das Schreiben von Berichten oder das Verwalten von Patientendaten. Um den gesundheitlichen Zustand ganzheitlich zu fördern, arbeiten Altenpfleger zudem eng mit Kollegen, Ärzten, Angehörigen und Therapeuten zusammen.

Wo sind Altenpflegerinnen und -pfleger tätig?

  • Ambulante Pflegedienste: Altenpflegerinnen und -pfleger fahren in die Privatwohnungen der Seniorinnen und Senioren oder zu pflegenden Angehörigen und übernehmen dort pflegerische und medizinische Tätigkeiten und helfen im Haushalt. Sie fahren, je nach Bedarf, zu den Betroffenen – an einigen Tagen in der Woche oder mehrmals täglich.
  • Stationäre Pflegeeinrichtungen: Hierzu zählen Alten- und Pflegeeinrichtungen ebenso wie Hospize und geriatrische Rehabilitationseinrichtungen. In Hospizen begleiten Altenpflegerinnen und -pfleger Patienten mit unheilbaren Erkrankungen in einem weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium. In geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen unterstützen Pfleger Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt.
  • Teilstationäre Pflegeeinrichtungen: In diesen Einrichtungen betreuen Altenpflegerinnen und -pfleger ältere Menschen tagsüber oder nachts entsprechend derer Bedürfnisnisse. Die Senioren sind also nur zu bestimmten Zeiten in den Einrichtungen.
  • Gerontopsychiatrie: In Einrichtungen, die sich auf die Gerontopsychiatrie spezialisiert haben, kümmern sich Altenpflegerinnen und -pfleger um Menschen, die unter psychiatrischen und körperlichen Erkrankungen leiden – stationär oder ambulant. Ein Schwerpunkt liegt auf Demenzerkrankungen.
  • Krankenhäuser: Die innere Medizin und Geriatrie, die Altersmedizin, sind in Krankenhäusern häufige Stationen, auf denen Altenpflegekräfte die älteren Patienten betreuen.

Wie viele Altenpflegerinnen und -pfleger gibt es in Deutschland?

Laut der aktuellen Pflegestatistik beschäftigten Heime 2015 168.131 staatlich anerkannte Altenpfleger/innen, die ambulanten Pflegedienste 78.281. Viele davon arbeiten nur in Teilzeit. 
Quelle: Statistisches Bundesamt (destatis.de)

Wie viel verdienen Altenpflegerinnen und -pfleger?

Die Höhe des Gehalts hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, etwa ob:

  • der Träger nach Tarif zahlt: Im öffentlichen Dienst (Gemeinden) richtet sich der Verdienst nach dem TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst). Kirchliche Träger vergüten nach den AVR (Arbeitsvertragsrichtlinien). Daran halten sich auch viele private Träger – aber längst nicht alle.
  • der Arbeitsplatz in Ost- oder Westdeutschland ist (In Ostdeutschland ist das Gehalt niedriger)
  • zusätzliche Qualifikationen vorhanden sind (etwa eine leitende Funktion)
  • es sich um eine Voll- oder Teilzeit handelt

Auch die Berufserfahrung spielt eine Rolle. Das Gehalt steigt mit Zunahme der Erfahrung.

Als Orientierung: Aktuell beträgt das monatliche Bruttogehalt nach der Entgeltgruppe E 7a TVöD B (Pflege- u. Betreuungseinrichtungen) 2.337 EUR für Berufseinsteiger/innen und steigt bis 3.144 EUR (Erfahrungsstufe 6 – nach 15 Berufsjahren). Hinzu kommen, je nach Tarif- oder Arbeitsvertrag, Schicht- und Wochenendzulagen.

Die Ausbildung

Wie werde ich Altenpfleger/in?
Die Ausbildung zum/r Altenpfleger/in ist im Gesetz über die Berufe in der Altenpflege (Altenpflegegesetz) festgelegt. Sie dauert drei Jahre, kann jedoch auch in Teilzeitform durchgeführt werden (Verlängerung auf bis zu fünf Jahre). Ebenso ist eine Verkürzung der Ausbildung auf zwei Jahre in einigen Fällen möglich, etwa wenn Kenntnisse und Fähigkeiten aus einer anderen abgeschlossenen Ausbildung wie der Krankenpflege vorgewiesen werden.

Voraussetzung für die Ausbildung ist entweder:

  • ein Realschulabschluss
  • ein anderer gleichwertig anerkannter Bildungsabschluss
  • ein Hauptschulabschluss und einen Abschluss in einer anderweitigen mindestens zweijährigen Berufsausbildung
  • ein Hauptschulabschluss und den anerkannten Abschluss einer Ausbildung in der Krankenpflegehilfe oder Altenpflegehilfe

Zudem muss ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorlegt werden, einige Arbeitgeber fordern auch ein Führungszeugnis.

So läuft die Ausbildung ab:
Die Altenpflegeausbildung findet an staatlichen anerkannten Fachseminaren für Altenpflege oder Berufsfachschulen sowie in einer Pflegeeinrichtungen statt. Der praktische Anteil in der Einrichtung überwiegt.

Angehende Altenpfleger/innen schließen mit der Einrichtung einen Vertrag, die Schule/ das Fachseminar sind ein weiterer Vertragspartner. Teil der Ausbildung sind zudem drei Praktika à sechs Wochen:

  • Komplementäreinsatz: Wer beispielsweise in einem Altenheim die Ausbildung macht, muss das Praktikum in einer ambulanten Einrichtung absolvieren – und umgekehrt.
  • Gerontopsychatrie
  • Geriatrie/Akutpflege

Die Ausbildungsinhalte sind sehr breit aufgestellt. Man lernt nicht nur, die Pflege zu planen, durchzuführen und zu dokumentieren, auch die Krankheits- und Arzneimittellehre, Soziologie und Psychologie sowie Zivilrecht steht auf dem Lehrplan – um einige Inhalte beispielhaft zu nennen.

Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung (schriftlich, mündlich und praktisch).

Kann ich den Beruf Altenpflege auch studieren?
Ja, es gibt verschiedene Studiengänge rund um die Altenpflege – sowohl eigenständige als auch duale, also mit gleichzeitiger Erlangung der Berufsausbildung Altenpfleger. Dazu zählen unter anderem:

  • Altenpflegemanagement
  • Gerontologie
  • Pflegewissenschaft
  • Pflegemanagement
  • Pflegepädagogik

Die Studiengänge Pflegewissenschaft, -management und -pädagogik decken inhaltlich in der Regel alle Zielgruppen ab, bei denen Pflege eine Rolle spielen kann und nicht nur explizit die Altenpflege. Eine Spezialisierung während des Studiums ist aber oft möglich.

Je nach Studiengang erlangt man den Abschluss Bachelor of Arts oder Bachelor of Science. Anschließende Masterstudiengänge sind möglich. Entsprechend der Studienvarianten unterscheiden sich zudem die Zulassungskriterien: von der mittleren Reife bis hin zur Hochschulreife. An privaten Hochschulen muss man zudem mit Studiengebühren rechnen.

  • Weitere Informationen zum dualen Studium finden Sie hier.
  • Eine allgemeine Übersicht zu den Studiengängen finden Sie hier.

Wer finanziert die Ausbildung?

Die berufliche Ausbildung in der Altenpflege wird vergütet. Es gibt jedoch keinen verbindlichen Tarifvertrag. Die Vergütung der Ausbildung variiert deshalb je nach Bundesland und Träger deiner Ausbildung.

  • In Einrichtungen des öffentlichen Dienstes ist das Ausbildungsgehalt deutschlandweit einheitlich tariflich geregelt. Es liegt im ersten Ausbildungsjahr bei 1.040 Euro brutto pro Monat, im zweiten Jahr bei1.100 Euro und im letzten Jahr bei 1.200 Euro.
  • Bei einem privaten Träger oder einem kirchlichen Wohlfahrtsverband sind Abweichungen nach unten möglich.

Eine Förderung über die Agentur für Arbeit / das Jobcenter ist bei einer Anspruchsberechtigung über einen Bildungsgutschein möglich. Diese Förderung hat Vorrang vor der Ausbildungsvergütung und ist für Umschüler oder Hausfrauen nach der Familienphase möglich.

Schulgeld:
An staatlichen Schulen fällt deutschlandweit kein Schuldgeld an. Zusatzkosten für Materialen und Gebühren für Prüfungen sind jedoch möglich. Auch an vielen Schulen mit privaten oder freien Trägern besteht mittlerweile Schulgeldfreiheit, mit Ausnahme von:

  • Hamburg (70 bis 120 Euro monatlich)
  • Mecklenburg-Vorpommern (Kostenübernahme ab dem Schuljahr 2019/2020 für den Nordosten des Landes)
  • Sachsen: Hier erfolgt ein Zuschuss von monatlich bis zu 85 Euro
  • Thüringen: Für Schulen freier Trägerschaft fallen zwischen 35 und 100 Euro Schulgeld pro Monat an.

Hinweis: Im Zuge des Pflegeberufegesetzes entfällt ab 2020 deutschlandweit das Schulgeld.

Finanzielle Unterstützung möglich
Unter bestimmten Voraussetzungen können Auszubildende finanzielle Unterstützung in Form des „Schüler-BAföG“ nach dem Berufsausbildungsförderungsgesetz (BAföG) erhalten. Dieses muss nicht zurückgezahlt werden. Auch beim Studium gibt es Finanzierungsmöglichkeiten wie das BAföG, Studienkredite, Bildungskredite und in einigen Fällen auch Stipendien. Diese müssen in der Regel ganz oder anteilig zurückgezahlt werden.

Wer vertritt die Interessen der Berufsgruppe?

Der Deutsche Berufsverband für Altenpflege (DBVA) setzt sich seit 1974 als einziger Verband in Deutschland ausschließlich für die Belange der in der Altenpflege Tätigen ein. Er organisiert unter anderem die Vertretung der Altenpflege in politischen Gremien, etwa bei Landes-Pflegekonferenzen, informiert die Öffentlichkeit über die Situation in der Altenpflege, wirkt mit bei der Entwicklung neuer Konzepte zur Altenhilfe und bietet fachliche Fort- und Weiterbildungen für die Mitglieder an. Zudem berät er seine Mitglieder in Fragen des Arbeitsalltags und unterstützt sie bei arbeits- und tarifrechtlichen Problemen.

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